Komponist von Chormusik
*10.11.1887 in Mümliswil (SO), †09.10.1966 in Starrkirch-Wil (SO), katholisch getauft, seit frühem Erwachsenenalter reformiert, von Härkingen (SO). Namensvariante: Frey (Geburtsurkunde). Sohn des Pius Frei, Kammmacher und Grabsteinhauer und Rosetta Frei geborene Fankhauser (1858–1936), sechstes Kind von 11 Kindern, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten. ⚭Amalie Strub (1879–1918 [Grippe]); gemeinsame Tochter Elsa (1916–2007). ⚭Rosa geborene Stüssi (1874–1975) aus Netstal (GL); gemeinsame Kinder Rosa (1921–2011) und Hans-Ulrich (1924–2009); der Filmregisseur und Filmproduzent Christian Frei (*1959) ist Hans-Ulrichs Sohn.
Von 1900–1903 besuchte Frei die Bezirksschule Balsthal, 1903–1907 die Pädagogische Abteilung der Kantonschule Solothurn («Lehrerseminar Solothurn»). Alfred Frei nahm in seinem Geburtsort Mümliswil, einem ländlichen Zentrum mit bedeutender Industrie, erste volks- und kirchenmusikalische Eindrücke auf. Als musikalisch begabter Schüler des Lehrerseminars Solothurn wurde er auf dem Klavier und Harmonium unterrichtet; im 3. Jahr auch auf der Orgel. Sein Lehrer war Edmund Wyss (1867–1929), der Komponist von Festspielen und Sammler von Volksliedern. Bei dem am Konservatorium Stuttgart ausgebildeten Hans Heutschi (Heutschy) (1850–1912) erhielt er Unterricht in Violine, Quartett- und Orchesterspiel, bei Domherr Karl Arnold Walther (1846–1824), dem Erneuerer der Kirchenmusik im Bistum Basel, kirchenmusikalischen Unterricht. In der Armee diente er als Trompeter in einem Militärspiel. Nach dem Abschluss des Seminars 1907 mit dem Lehrerpatent war er bis 1912 Primarlehrer in Nunningen und Mümliswil-Ramiswil und anschliessend bis 1952 Lehrer an der Oberstufe in Starrkirch-Wil. Als Lehrer in Nunningen war er Leiter der Dorfmusik, in den Jahren nach der Übersiedlung nach Starrkirch Leiter der Männerchöre «Union» und «Zugspersonal» in Olten, des reformierten Kirchenchores Schönenwerd (1925–1932) und des Männerchors Starrkirch-Wil (40 Jahre), die er zu grossen Erfolgen führte. In den 1930er Jahren betrieb er zudem ein Musikgeschäft in Olten. Als junger Mann war er freisinnig, später wandte er sich der Sozialdemokratie zu.
Schon während der Lehrerausbildung komponierte Frei Lieder, angeregt wohl vor allem durch Edmund Wyss. Breitenwirkung erreichte er durch die Zusammenarbeit mit dem Mundartschriftsteller und späteren Seminarlehrer Josef Reinhart. Reinhart hatte mit Casimir Meister 1914 das erfolgreiche Liederheft Liedli ab em Land herausgegeben. Im Jahr 1918 veröffentlichte Reinhart zusammen mit Frei im Verlag Sauerländer, Aarau, das Heft D’Zyt isch do: Liedli für d’Schuel und für deheime als erste Nummer seiner Sammlung Jugendborn. Die von Reinhart allein verantwortete vierte Nummer Uf em Bärgli von 1920 enthielt nochmals zwei Lieder von Frei. Im gleichen Jahr folgte bei Walter Trösch, dem sozialdemokratischen Drucker, Verleger und Kantonsrat in Olten, ein von Frei und Reinhart wieder gemeinsam herausgegebenes Heft Dr Fäldwäg us: zweistimmige Liedli im Volkston. Es erlebte vier Auflagen; die letzte Ausgabe von 1941 erschien bei Sauerländer in Aarau. Die Zusammenarbeit mit Reinhart und die professionelle Verbreitung der Vertonungen machten die frühen Lieder bekannt. 1946 publizierte er zudem ein von Otto Wyss illustriertes Bändchen Is Mueters Stübli mit Kinderversen, die während eines Spitalaufenthaltes entstanden waren. Unveröffentlichte Noten und Tonaufnahmen von Reinhart-Liedern aus Freis Nachlass wurden posthum online publiziert.
Frei komponierte einfache, gefühlvolle und eingängige Melodien «im Volkston», welche die sprachliche Form der Mundarttexte aufnahmen. In vielen Fällen dienten seine Lieder auch dem Eigengebrauch in Chören oder in der Schule. Die frühe Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die seine Reinhart-Lieder in Zeiten der Heimatschutzbewegung erfahren hatten, erneuerten sich im Umfeld der Geistigen Landesverteidigung. Einige Lieder wurden seither in Schulbücher aufgenommen: 1938 erschien in dem für die Solothurner Schulen obligatorischen Singbuch Sang und Klang das sehr bekannte «Wei hei go». Auch das Schweizer Singbuch (Hug: Zürich 1958), enthielt drei von Freis Reinhart-Liedern: «Lueg nit verby», «Es tönt es lustigs Liedli», «Mis Müeti het mer brichtet». Mit dem Auftreten neuerer Mundartliteraturen in den 50er und 60er Jahren rückten Reinharts Werke in den Hintergrund, und damit auch Freis Vertonungen. In Volksmusikkreisen werden gelegentlich einzelne Lieder aufgeführt, am häufigsten wohl das populäre «Lueg nit verby». Die Solothurner Lieder des Kantonalen Lehrmittelverlages Solothurn von 1993 enthalten einige von Frei vertonte Reinhart-Lieder.
Verena Bider: "Frei, Alfred Andreas", in: Dictionnaire de la musique en suisse, Version du: 02.04.2026. En ligne: http://mls-dms.ch/view/frei-alfred-andreas-SRKR. Consulté le 06.04.2026.