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Schwyzer Zither

Doppelzither aus dem Kanton Schwyz

Frauen beim Spielen der Schwyzer Zither, Schwyz 1980 (Foto: Dany Guignoux).

Die nach dem Gebiet ihrer Verbreitung, dem Innerschweizer Kanton Schwyz, benannte Schwyzer Zitherwird nach ihren wichtigsten Erbauern auch als Aschwanden-oder Betschart-Zitherbezeichnet.

Die Schwyzer Zither ist eine Doppelzither. Ihr lyraförmiger, 48–58 cm langer Resonanzkasten ist aus zwei auf der einen Längsseite ausgebauchten Salzburger Zithern an den geraden Seiten zusammengesetzt. Über den Resonanzkasten mit bloss einem Schallloch sind zwei Saitensysteme aus je vier Melodie- und fünf Begleitsaiten von Nägeln im Unterklotz an Zitherstifte im Oberklotz oder in einem Riegel auf der Decke gespannt. Je zwei Doppelchöre (zwei im Einklang gestimmte Saitenpaare) laufen über zwölf diatonische Bünde in den beiden Griffbrettern.

Durch Niederdrücken der Melodiesaiten an den durch die Bünde angezeigten Stellen lässt sich der Grundton erhöhen. Die schwingende Saitenlänge der freien Begleitsaiten kann nicht verändert werden. Das tiefere Saitensystem ist auf Es, das höhere auf B gestimmt. Der Quintabstand der beiden Saitensysteme erlaubt es den Musizierenden, den mittleren, auf der Dominante aufgebauten Teil eines Volkstanzes mit den gleichen Griffen wie die beiden rahmenden, von der Tonika ausgehenden Teile zu spielen.

Zum Spiel wird diese Brettzither auf den Tisch gelegt, so dass die Saiten parallel oder leicht schräg zur Tischkante liegen. Mit einem Plektrum (Spielblatt, das zwischen Daumen und Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand gehalten wird) werden alle Saiten eines Zithersystems «geschrappt», das heisst von der musizierenden Person weg angeschlagen.

Die Schwyzer Zither zählt nicht, wie die industriell gefertigten griffbrettlosen Akkordzithern, zu den Salon-, sondern zu den Gebirgszithern. Sie wird von lokalen Schreinereibetrieben aus einheimischen Hölzern (Fichte und Ahorn) gebaut. Im Unterschied zur Glarner Zither, die im 20. Jahrhundert vor allem von Textilarbeiterinnen im Glarnerland gespielt wurde, wurde die Schwyzer Zither zunächst von bäuerlichen Musizierenden, besonders im Muotathal (SZ), gespielt. Ebenso wie die Glarner Zither, die den in Deutschland ausgestorbenen Mittenwalder Zithertyp im Kanton Glarus erhalten hat, ist auch die Schwyzer Zither ein letztes Zeugnis der Salzburger Zither. In Rückzugsgebieten der Schweiz sind Zithertypen aus Bayern, dem Salzburger Land und dem Tirol lebendig geblieben.

Auch wenn sich Saitensystem, Befestigung der Saiten am Unterklotz und Spielweise der Schwyzer Zither auf einen älteren Zithertyp zurückführen lassen, ist die heutige Tradition dieser Doppelzither erst vom 19. Jahrhundert an dokumentiert. Josef Leonhard Betschart (1825–1899) aus Morschach (SZ) gilt als einer der Pioniere. Man spielte Tänze wie Ländler, Polka, Schottisch solo oder zusammen mit einer zweiten Schwyzer Zither oder als Trio mit Schwyzerörgeli und Bass.

Die Schwyzer Zither fand weder in der Folkbewegung noch in der Neuen Schweizer Volksmusik Verwendung und ist daher selten geworden. Der Zithertyp wurde zeitweise an der Musikschule Schwyz unterrichtet, wird im Allgemeinen aber nur noch von wenigen Personen gespielt.

Autori/autrici: Brigitte Bachmann-Geiser, versione del 26.07.2026

Literatur

  • Bachmann-Geiser, Brigitte. Die Volksmusikinstrumente der Schweiz. Handbuch der europäischen Volksmusikinstrumente, Serie I, Bd. 4. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik; Zürich: Atlantis, 1981.
  • Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz, Hrsg. Die Tanzmusik der Schweiz des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aus dem Nachlass von Hanny Christen. Schweizer Volksmusik-Sammlung, Bd. 10. Zürich: Mülirad-Verlag, 2002.
  • Mühlemann, Lorenz. Die Zithern in der Schweiz. Bern: Zytglogge, 1999.

Tonbeispiele

  • Les instruments de musique traditionnels suisses = Die Volksmusikinstrumente der Schweiz = Traditional Swiss musical instruments. Konzept und Texte: Brigitte Bachmann-Geiser. Diverse Interpretinnen und Interpreten. CD. Claves 50-9621, 1996. [Track 29, 30].
  • Schweizer Volksmusik = Traditional Swiss Music. Tag der Schweizer Volksmusik IMF Luzern. […] Innerschweiz, Bern, Appenzell, Graubünden, Ticino, Romandie. Konzept und Texte: Brigitte Bachmann-Geiser. Auswahl: Brigitte Bachmann-Geiser, Ruedi Renggli, Hugo Ramseyer. Diverse Interpretinnen und Interpreten. 2 CD. Zyt/DRS 4532, 1996. [CD 2, Track 4].
  • Schwyz. Volksmusik aus dem Kanton Schwyz = Traditional music from the canton of Schwyz. Realisiert in Zusammenarbeit mit der Kulturkommission des Kantons Schwyz. Wissenschaftliche Mitarbeit und Texte: Brigitte Bachmann-Geiser. Diverse Interpretinnen und Interpreten. CD. Musica Helvetica MH CD 91.2, 2005. [Track 8, 15].

Citazione suggerita

Brigitte Bachmann-Geiser: "Schwyzer Zither", in: Dizionario della musica in Svizzera, Versione del: 26.07.2026. Online: http://mls-dms.ch/view/schwyzer-zither-b3r4. Consultato il 05.08.2026.